Auszüge aus den Reden der Teilnehmer der Vierten Mahnwache

Für die vierte Mahnwache am 20. August auf dem Schlossplatz hatten wir den amtierenden Bürgermeister, seinen Herausforderer Frank Mombauer. die demokratischen Parteien und die Wählergemeinschaft FaB, die unsere Mahnwachen mit ihrer Teilnahme bereichern, eingeladen.

Sie konnten Stellung zu nehmen zu diesen Mahnwachen und zu den Idealen und Zielen unserer Bürgergruppierung „Wir sind mehr im Bergischen“. Hier folgen Auszüge aus diesen Reden in der Reihenfolge der Auftritte – vielen Dank an alle Redner, dass sie uns diese zur Verfügung gestellt haben!

Dietmar Persian, Bürgermeister der Stadt Hückeswagen

Bürgermeister Dietmar Persian (Foto: Photo Schmitz)

„Die Zukunft hängt davon ab, was wir heute tun.“ – so hat es Mahatma Gandhi gesagt. Darum stehen wir heute hier zusammen als Menschen die wollen, dass wir in Hückeswagen auch in Zukunft respektvoll miteinander umgehen. Dass wir auch in Zukunft den Menschen an unserer Seite achten, auch wenn er anders aussieht, anders spricht, anders glaubt. Dass wir auch in Zukunft im Stadtrat gut zusammen arbeiten. Konstruktiv miteinander diskutieren, auch wenn wir nicht einer Meinung sind.  Uns treibt gemeinsam die Sorge um, dass es anders werden könnte. Darum stehen wir heute hier zusammen. Wir Hückeswagener stehen hier für Dialog, Respekt und Toleranz und wenden uns gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Frank Mombauer, Bürgermeister-Kandidat der FaB

Bürgermeisterkandidat Frank Mombauer (Foto: Photo Schmitz)

Die Bürgerbewegung „Wir sind mehr im Bergischen“ hat eines in Hückeswagen erreicht: Wir zeigen parteiübergreifend klare Kante gegen Rechts, gegen völkisches Gedankengut und eine Partei, die die Zeit Adolf Hitlers als Vogelschiss der Geschichte tituliert. Wer schon einmal in Yad Vashem war, sich mit Überlebenden des Holocaust unterhalten oder Konzentrationslager und ihre Verbrennungsöfen besucht hat, weiß: Dieser Teil unserer Geschichte darf sich nicht wiederholen. Der 27. Januar gilt daher als Holocaust-Gedenktag. Und dass es bis heute eine immerwährende, latente judenfeindliche Einstellung bei rund 25 Prozent der Bevölkerung gibt, ist auch eine bekannte Tatsache. Umso bedrohlicher ist es, wenn heute eine Partei in vielen Parlamenten sitzt, die eine solche rassistische und antisemitische Einstellung toleriert, sie manchmal unterstützt oder sogar selbst für sich proklamiert! Hier gilt es wachsam zu sein und alles zu tun, den Rechtspopulisten durch historisches Faktenwissen und gute Argumente den Boden zu entziehen. Und es gilt auch, alles daran zu setzen, die Erinnerung dauerhaft wach zu halten. Wer wie Björn Höcke das Holocaust Mahnmal in Berlin als Denkmal der Schande tituliert, macht deutlich, wo die AfD steht. Ich wünschte, wir Deutschen hätten aus der Geschichte gelernt. Aber das kann ich nicht sagen, wenn Angst und Hetze sich erneut ausbreiten. Nie wieder, niemals wieder! Deshalb darf es keinen Schlussstrich unter das Erinnern geben. Deshalb darf die AfD nicht salonfähig werden – nicht hier, nicht jetzt und nicht in Hückeswagen!

Nicklas Alsdorf (DIE PARTEI)

Nicklas Alsdorf, Die PARTEI (Foto: Photo Schmitz)

Wir von der Partei Die PARTEI freuen uns sehr, dass diese Veranstaltung den freien, demokratischen Kräften dieser Stadt jede Woche ein Podium gibt, um zu zeigen, dass wir gemeinsam gegen den Fremdenhass der AFD stehen. #fckafd
Wir sollten uns daran erinnern, wo Deutschland heute stehen würde, gäbe es keine Zuwanderung, denn uns geht es nur deswegen so gut. #fckafd
Wir können uns keine freie Gesellschaft vorstellen, ohne auch Freunde aus anderen Kulturkreisen, die unsere Gesellschaft bereichern, willkommen zu heißen. #fckafd
Wir mögen uns also immer an diejenigen erinnern, die ihr Leben verloren haben, durch blinden Fremdenhass, der nicht nur uns plagt, sondern die ganze Welt, also niemals vergessen: Nazis töten!

Jörg von Polheim (FDP)

Jörg von Polheim, FDP (Foto: Photo Schmitz)

Das Bergische Land war und ist über Jahrhunderte Zufluchtsort für Verfolgte. Schon während des Dreißigjährigen Krieges kamen Menschen ins Bergische. Sie erfuhren hier meist  Toleranz, Respekt und Dialogbereitschaft, dafür haben sie ihren Beitrag  zur Entwicklung  ihrer neuen Heimat, dem Bergischen Land, geleistet. Es gilt diese Tradition zu bewahren und auch zukünftig Flüchtlingen und Immigranten unsere Hilfe anzubieten; dies sind wir auch als Christen dem anderen immer schuldig.

Heike Mühlinghaus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Heike Mühlinghaus, GRÜNE (Foto: Photo Schmitz)

Wir GRÜNE zeigen klare Kante gegen menschenfeindliche Propaganda, Rechtspopulismus und Rechtsterrorismus. Jede Form von Gewalt muss mit allen rechtsstaatlichen Mitteln bekämpft werden. Wir sind für eine „OFFENE Gesellschaft“ und stehen für die Werte Toleranz und Respekt; Wir GRÜNE begreifen Vielfalt als Chance für unser Land – unter dem gemeinsamen Dach des Grundgesetzes, das uns allen gleiche Rechte und Freiheiten garantiert. Wir GRÜNE stehen für Gleichberechtigung; das Grundgesetz von 1949 sagt im Artikel 3(2): Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Wir GRÜNE stehen auch für Gerechtigkeit und Freiheit. Beruflich habe ich mit vielen Menschen zu tun, deren Heimat eben nicht Deutschland ist. Müssten alle diese Menschen Deutschland verlassen, wäre mein beruflicher Alltag viel einsamer und einsilbiger. Ich sehe mich als Europäerin, die in Deutschland geboren und aufgewachsen ist. Denn nur gemeinsam sind wir fähig Großes zu bewegen.

Brigitte Thiel (FaB)

Brigitte Thiel, FaB (Foto: Photo Schmitz)

Ich möchte aber hier auf unser gutes und wichtiges Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, und zwar Artikel 1, hinweisen. Im besagten Artikel 1 steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das sagt doch alles!
Hier ist kein Platz für Rassismus!
Hier ist kein Platz für Diskriminierungen!
Hier ist kein Platz für Gewalt!
Hier ist kein Platz für rechte Gesinnung!
Hier ist absolut kein Platz für die AfD!
Sie alle verstoßen gegen das Grundgesetz. Meine Mutter musste nach dem Zweiten Weltkrieg aus Mecklenburg  fliehen. Sie kam mit meinen Großeltern hier nach Westdeutschland. Sie haben den Krieg mit allen Facetten erlebt. Meine Mutter hat nicht viel erzählt, auch nicht meine Großeltern.
Sie hatten mich aber ermutigt, die Gedenkstätte Bergen Belsen zu besuchen und mich dort vor Ort umzuschauen und mir selbst ein Bild von dieser Zeit zu machen. Es war ganz schrecklich was ich dort gelesen und gesehen habe. 
Sie gaben mir auch mit auf den Weg, wenn es mir möglich sei, mitzuhelfen, dass so etwas nie wieder geschieht. Es sind so viele Menschen sinnlos gestorben, auch sehr viele Kinder. Das darf nicht wieder passieren. Nie wieder. Nie wieder!!

Hans-Jürgen Grasemann (SPD)

Hans-Jürgen Grasemann, SPD (Foto: Photo Schmitz)

Warum sind wir hier? Wir sind hier…
… weil wir die Geschichte kennen und aus ihr gelernt haben. Wehret den Anfängen! Populisten haben auf komplizierte Fragen immer sehr einfache Antworten.
… weil eine wichtige Wahl bevorsteht. Hier geht es um die Politik in unserer Stadt und im Kreis, also erst einmal weit weg von der großen Politik. Aber die Kommunalpolitik ist die Keimzelle der Demokratie, darauf baut alles auf.
… weil wir die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt aufrütteln wollen und auffordern, sich klar gegen rechtes Gedankengut zu stellen. Radikale gehen alle wählen und das heißt, dass bei einer niedrigen Wahlbeteiligung deren Stimmen plötzlich ein Gewicht haben, das ihnen eigentlich gar nicht zusteht.
… weil wir mehr sind …, viel mehr sogar, aber wir müssen uns auch zeigen. Es ist höchste Zeit dafür. Lasst uns gemeinsam für ein demokratisches, weltoffenes Hückeswagen einstehen. Es lohnt sich dafür zu kämpfen.

Christian Schütte (CDU)

Christian Schütte, CDU (Foto: Photo Schmitz)

Seit geraumer Zeit wächst in unserer Gesellschaft ein Geschwür des Hasses und der Hetze heran. Der Hass entsteht in den Gedanken, die Gedanken entladen sich in Worte – oft feige und anonym in den sozialen Medien – und schließlich werden aus den Worten Taten.
Lassen wir die Populisten mit ihren Lügen, rassistischen Formulierungen und Tabubrüchen nicht unsere Sprache und damit unsere Kultur vergiften. Zeigen wir gemeinsam Flagge für eine starke Demokratie, eine tolerante Gesellschaft und ein friedliches Miteinander. Immer und überall.
Wir stehen zwar für MEHR HÜCKESWAGEN, aber bei einem Stadtrat ohne Rechtspopulisten gilt: HIER IST WENIGER MEHR.