Siebte Mahnwache – ein würdiger Abschluss

Es war ein wirklich würdiger und gelungener Abschluss unserer Serie von sieben Mahnwachen in Hückeswagen gegen Rassismus und gegen Rechts! Am Donnerstag, 10. September, fand am Schlossplatz unsere letzte Mahnwache vor der Kommunalwahl am Sonntag, 13. September, statt.

(Foto: Privat)

Die letzte Mahnwache wollte vorbereitet werden: Die schweren Bühnenelemente mussten von der Marktstraße beschafft werden, die Musikanlage vom Haus Zach. Der Schlossplatz wurde mit unseren Bannern und Teile der bemalten Tapeten von der Malaktion in den Wupperauen geschmückt. Als Anregungen und gleichzeitig als Abstandshalter. Die Mädels und Jungs vom SC Heide übernahmen wieder den Getränkeverkauf.

Und der Aufwand hatte sich gelohnt: Über 150 Menschen füllten ab 18 Uhr den Schlossplatz – so viele wie bei keine der sechs anderen Mahnwachen! Vertreter fast aller demokratischen Parteien waren auch wieder gekommen: DIE PARTEI, FaB, FDP, SPD mit zwei großen knallroten Bannern sowie DIE GRÜNEN, die in ihren grünen Shirts ebenso weithin sichtbar wie die CDU mit ihren orangenen Poloshirts waren. Der Hückeswagener Bürgermeister Dietmar Persian kam arbeitsbedingt etwas später – im Gegensatz zu seinem Herausforderer Frank Mombauer, der sich entschuldigen ließ.

Bürgermeister Dietmar Persian unterstützte die Mahnwachen der Bürgergruppierung von Anfang an. Neben ihm ist Shirley Finster aus dem Orga-Team zu sehen. (Foto: Photo Schmitz)

Das Thema der Abschlussveranstaltung war Vielfalt, dementsprechend hatten wir das Programm gestaltet: Redebeiträge und musikalische Beiträge wechselten sich in den anderthalb Stunden ab.

Die SPD war mit zwei großen Bannern mit der Aufschrift „Gemeinsam gegen Rechts“ erschienen. (Foto: Photo Schmitz)

Zum „Aufwärmen“ trommelte die Street Percussion Band Beat It aus Remscheid und Solingen. Das kam beim Publikum bestens an, sofort wurde mitgeklatscht und der Rhythmus übernommen.

Beat It aus Solingen und Remscheid sorgten für den passenden Rhythmus. (Foto: Photo Schmitz)

Unterstützt von den beiden jungen Mädchen Shaghayegh und Atena Sarvari aus Afghanistan begrüßte Gruppen-Mitglied Joachim Kutzner die Anwesenden und gab dabei einen Rückblick auf die bisherigen sechs Mahnwachen.

Shaghayegh (l.) und Atena Sarvari (m.) unterstützten Joachim Kutzner beim Rückblick auf die bisherigen sechs Mahnwachen. (Foto: Photo Schmitz)

Etwa zur ersten Mahnwache, bei der wir mit unseren Schildern einen stummen Protest zeigten, oder zur sechsten Mahnwache, als wir mit Regenschirmen ein buntes Zeichen setzten.

Die Utensilien unserer Mahnwachen. (Foto: Photo Schmitz)

Beim nächsten Musikauftritt wurde es laut. Wanderer kennen die Hofschaft Funkenhausen als eher beschaulichen Ort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Weit gefehlt: Denn dort kommen Big Stroke her, die Hückeswagener Alternative Rock Band mit Philipp Wüster (bass) und Jan Becker (git) von unserer Bürgergruppierung, dazu Philipps Bruder Daniel Zielke (git, voc) und Daniel Steiner (dr). Sie ließen sich gar nicht stoppen und spielten den vierten Song als Zugabe gleich mit.

Big Stroke rockten den Schlossplatz. (Foto: Privat)

Nachdem der Applaus abgeklungen war, wurde es still. Wir hatten uns überlegt, dass heute sechs Menschen zu Wort kommen sollten, die regelmäßig an den Mahnwachen teilgenommen hatten. Sie nahmen Stellung, warum sie zu den Mahnwachen kamen und warum ihnen das wichtig war. Zunächst sprachen Lukas Herweg und Kathi Weyer. Lukas gestand ein, dass er eher politisch „faul“ sei, aber wenn sich die AfD in der Stadt zur Wahl stellen würde, dann müsste man dagegen aufstehen.

Lukas Herweg teilte seine Beweggründe, an den Mahnwache teilzunehmen. (Foto: Photo Schmitz)

Kathi Weyer hatte die Zuhörer sofort auf ihrer Seite, mucksmäuschenstill lauschten alle Anwesenden ihren wohl gesetzten Worten. Sie war 1944 geboren, eine Überlebende des Nationalsozialismus, um danach in der DDR mit dem Kommunismus das nächste totalitäre System bewusst zu erleben. Ihr Fazit nach einer bewegenden Rede, die vielen Teilnehmern die Tränen in die Augen trieb: „Jede radikale Ideologie führt dazu, dass Menschen an Menschen schuldig werden. Darum stelle ich mich hinter diese Fahne.“ Womit sie unsere Fahne meinte. Danke, Kathi!

Bewegende Worte von Kathi Weyer. (Foto: Photo Schmitz)

In dieser emotional sehr aufgeladenen und berührten Atmosphäre schafften es die Trommler von Beat It dennoch schnell, die Stimmung zu lösen und die Anwesenden wieder zum Mitklatschen zu animieren. Bandleader Michael Krautstein bedankte sich für die Einladung zum Auftritt, den Kontakt hatte Musikschulleiter Eckhard Richelshagen hergestellt.

Die beiden nächsten Redner waren Inge Osenberg und Detlef Bauer. Inge Osenberg war es wichtig, darauf hinzuweisen, dass es nicht reicht, an unseren Aktionen teilzunehmen. Wichtiger sei die tägliche Haltung in der Familie, in der Nachbarschaft, im Berufsleben. „Nicht hinhören reicht nicht, mit unserer Meinung dagegen halten ist die richtige Antwort. Lasst uns weiter unbequem sein!“

Inge Osenberg forderte Haltung im Alltag und jenseits der Mahnwachen. (Foto: Photo Schmitz)

Detlef Bauer, Vorsitzender des Kultur-Haus Zach, wollte keinesfalls einen Rückschritt in „dunkle, angsterfüllte Zeiten“ und schloss seine Rede mit den Worten ab „Um diese Errungenschaften der letzten 75 Jahre zu erhalten und weiter für die Zukunft unserer Kinder auszubauen, dafür stehe ich hier.“

Detlef Bauer plädierte für den Erhalt der Errungenschaften der vergangenen 75 Jahre. (Foto: Photo Schmitz)

Mit Sängerin Kati Majorek aus Wuppertal und den Radevormwalder Musikschulleiter Michael Borner an der Gitarre kam dann ein gänzlich anderer Musikstil auf die Bühne: jazzig-funky verspielt und sehr variantenreich an Instrument wie Stimme – so manchem im Publikum waren die zwei gespielten Stücke fast zu wenig.

Michael Borner an der Gitarre und Kati Majorek am Gesang. (Foto: Photo Schmitz)

Dr. Rainer Hartmann vom Freundeskreis der Stadtbibliothek begann die letzte Rederunde und machte deutlich, wie die AfD einzuschätzen ist: als undemokratische Partei, für die der Nationalsozialismus nur ein Vogelschiss in der Geschichte ist.

Dr. Rainer Hartmann bei seiner Rede. (Foto: Photo Schmitz)

Den Abschluss der Redebeiträge setzte Joachim Kutzner, der in der Jugend Hitlers „Mein Kampf“ gelesen hatte, um festzustellen, ob man hätte ahnen können, was dieser Verbrecher an der Menschheit plante, der den Zivildienst verweigerte und sich schwor, alles in seiner Macht stehende dagegen zu tun, damit dieser unselige Zeit sich nie wieder in Deutschland wiederholen würde. Denn, so zitierte er Bertolt Brecht: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“.

Der letzte Redner des Abends, Joachim Kutzner. (Foto: Photo Schmitz)

Für den letzten Musikbeitrag des Abends kam der Hückeswagener Rapper KeGe, alias Kevin Gedert, auf die Bühne. Viele kennen ihn als Friseur und Barbier in der Islandstraße. Vom Ablauf der Veranstaltung beeindruckt, änderte Kevin spontan sein Programm, zitierte aus seinem lyrischen Werk und begründete, warum er einem jungen Afghanen in seinem Shop einen Ausbildungsplatz gegeben hat. Weil Geflüchtete wie er eine Chance bekommen müssten, in ihrer neuen Heimat anzukommen. Und wir Deutsche eine Chance, ihre andere Kultur kennenzulernen.

Kraftvolle Raps und Worte von Kevin Gedert. (Foto: Photo Schmitz)

Shirley Finster bedankte sich im Namen der Bürgergruppierung zum Abschluss der siebten Mahnwache bei den vielen Helfern, die uns unterstützten:
• der Polizei und dem Ordnungsamt für die immer problemlose Begleitung unserer Mahnwachen,
• Hr. Schlamm, dem Hausmeister des Schloses,
• den Politikerinnen und Politikern der demokratischen Parteien in Hückeswagen,
• der Diakonie und Irmgard Hannoschöck, die uns die Bühnenelemente liehen,
• dem Haus Zach für die Musikanlage,
• dem Team des SC Heide, die zweimal den Getränkeverkauf auf dem Schlossplatz organisierten und uns die Einnahmen spendeten
• und last not least „unserem“ Fotografen Hans Dieter Schmitz, der jede unserer Mahnwachen mit gleich zwei Kameras im Bild festhielt.

Shirley Finster bedankte sich bei allen Helfern und Beteiligten. (Foto: Photo Schmitz)

Im Anschluss ging der Hut für die Künstler herum. Den Abschluss bildete ein dringender Appell an alle Anwesenden, am Sonntag, 13. September, zur Kommunalwahl zu gehen. Jede Stimme für die demokratischen Parteien schwächt die antidemokratischen Kräfte, die sich in unserer Stadt in Form der sogenannten Alternative für Deutschland, die in Wahrheit keine Alternative sondern eine Schande ist, breitmachen möchte.

Wir können das verhindern. Wenn wir am Sonntag das Kreuz auf dem Wahlschein an der richtigen Stelle machen. Die Auswahl ist groß. Niemand muss die AfD wählen.

Hier noch einige weitere Impressionen der siebten Mahnwache

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Wir wünschen uns sehr, dass unsere Aktionen von Erfolg gezeitigt sind. Dass wir die AfD in Hückeswagen klein halten können! Wir wollen keinen Rassismus, keine Ausländerfeindlichkeit, keine Frauenfeindlichkeit, keine Homophobie in unserer Stadt – wir wollen keine AfD in Hückeswagen!

Denn wir sind mehr!